Anlässlich des 100. Todestages von Jules Durand beleuchten die Bibliothek und das Stadtarchiv von Le Havre eine der schwerwiegendsten Justizirrtümer des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung präsentiert eine außergewöhnliche Auswahl zeitgenössischer Dokumente, die diese dramatische Geschichte nachzeichnen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Le Havre ein beispielloses wirtschaftliches Wachstum, insbesondere im Hafenbereich. Die Compagnie Générale Transatlantique, das Flaggschiff dieser Industrie, beschäftigte allein mehr als 7.000 Arbeiter. In diesem Kontext spielten die Kohledocker eine entscheidende Rolle: Ohne ihre Arbeit wären der Schiffsverkehr und der Handel zum Stillstand gekommen. Dennoch gehörten diese rund 600 unverzichtbaren Arbeiter zu den am stärksten benachteiligten und prekär lebenden Menschen der Hafenstadt.
Die drohende Mechanisierung ihrer Arbeit sowie ihre äußerst harten Arbeitsbedingungen führten 1910 zu einem Streik. Anfang September wurde jedoch Louis Dongé, ein nicht streikender Kohlearbeiter, bei einer betrunkenen Auseinandersetzung getötet. Für Stanislas Ducrot, den Generalagenten der Transat, bot dieser Vorfall die Gelegenheit, der Gewerkschaft der Kohledocker – die kurz zuvor von Jules Durand neu organisiert worden war – einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Obwohl Durand nicht einmal am Tatort war, wurde er sofort beschuldigt, der Anstifter des Verbrechens zu sein.
Die anschließende gerichtliche Untersuchung war von zahlreichen Unregelmäßigkeiten geprägt: manipulierte Zeugenaussagen, Druck auf den Richter und ein überhastetes Verfahren. Durand wurde zum Tode verurteilt – in einem Fall, der später als einer der gravierendsten Justizirrtümer des 20. Jahrhunderts gelten sollte. Die Affäre löste national wie international Empörung aus und erinnerte viele an die berühmte Dreyfus-Affäre.
Um diese Geschichte zu erzählen, versammelt die Ausstellung bemerkenswerte Stücke, darunter Dokumente, die lange als verschollen galten. Zu den bislang unveröffentlichten Materialien zählen Zeugnisse einer Mobilisierung, die weit über Frankreich hinausging – etwa Petitionen, die zuvor nie reproduziert oder ausgestellt wurden, sowie Kunstwerke aus dem frühen 20. Jahrhundert, die die harten und unerbittlichen Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter darstellen.
Schließlich zeigt die Ausstellung auch außergewöhnliche Stücke im Zusammenhang mit Boulevard Durand, dem Theaterstück von Armand Salacrou, das den Fall in den 1960er-Jahren wieder ins öffentliche Bewusstsein brachte: Manuskripte, Briefe von René Coty sowie seltene Fotografien.
Führungen jeden Samstag um 15 Uhr, außer am 4. und 11. April sowie am 23. Mai.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Le Havre ein beispielloses wirtschaftliches Wachstum, insbesondere im Hafenbereich. Die Compagnie Générale Transatlantique, das Flaggschiff dieser Industrie, beschäftigte allein mehr als 7.000 Arbeiter. In diesem Kontext spielten die Kohledocker eine entscheidende Rolle: Ohne ihre Arbeit wären der Schiffsverkehr und der Handel zum Stillstand gekommen. Dennoch gehörten diese rund 600 unverzichtbaren Arbeiter zu den am stärksten benachteiligten und prekär lebenden Menschen der Hafenstadt.
Die drohende Mechanisierung ihrer Arbeit sowie ihre äußerst harten Arbeitsbedingungen führten 1910 zu einem Streik. Anfang September wurde jedoch Louis Dongé, ein nicht streikender Kohlearbeiter, bei einer betrunkenen Auseinandersetzung getötet. Für Stanislas Ducrot, den Generalagenten der Transat, bot dieser Vorfall die Gelegenheit, der Gewerkschaft der Kohledocker – die kurz zuvor von Jules Durand neu organisiert worden war – einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Obwohl Durand nicht einmal am Tatort war, wurde er sofort beschuldigt, der Anstifter des Verbrechens zu sein.
Die anschließende gerichtliche Untersuchung war von zahlreichen Unregelmäßigkeiten geprägt: manipulierte Zeugenaussagen, Druck auf den Richter und ein überhastetes Verfahren. Durand wurde zum Tode verurteilt – in einem Fall, der später als einer der gravierendsten Justizirrtümer des 20. Jahrhunderts gelten sollte. Die Affäre löste national wie international Empörung aus und erinnerte viele an die berühmte Dreyfus-Affäre.
Um diese Geschichte zu erzählen, versammelt die Ausstellung bemerkenswerte Stücke, darunter Dokumente, die lange als verschollen galten. Zu den bislang unveröffentlichten Materialien zählen Zeugnisse einer Mobilisierung, die weit über Frankreich hinausging – etwa Petitionen, die zuvor nie reproduziert oder ausgestellt wurden, sowie Kunstwerke aus dem frühen 20. Jahrhundert, die die harten und unerbittlichen Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter darstellen.
Schließlich zeigt die Ausstellung auch außergewöhnliche Stücke im Zusammenhang mit Boulevard Durand, dem Theaterstück von Armand Salacrou, das den Fall in den 1960er-Jahren wieder ins öffentliche Bewusstsein brachte: Manuskripte, Briefe von René Coty sowie seltene Fotografien.
Führungen jeden Samstag um 15 Uhr, außer am 4. und 11. April sowie am 23. Mai.
